Messung von Lärm und raumakustischen Kenngrößen

Messstrategien nach DIN EN ISO 9612

Zur Bestimmung der Lärmexposition ist es am einfachsten, wenn bei einer Tätigkeit in einer Schicht nur ein gleichförmiges Geräusch ohne Schwankungen auftritt. In diesem einfachen Fall entspricht der Messwert dem Tages-Lärmexpositionspegel. In der Regel stellt sich die Arbeitssituation aber wesentlich komplexer dar und es werden mehrere unterschiedliche und verschieden lange Tätigkeiten bei ständig wechselnden Geräuschimmissionen, oft an verschiedenen Orten, ausgeführt.

Zur Ermittlung der Lärmeinwirkung beschreibt die DIN EN ISO 9612 drei verschiedene Messstrategien. Diese sind:

  • Tätigkeitsbezogene Messungen (Strategie 1)
  • Berufsbildbezogene Messungen (Strategie 2)
  • Ganztagsmessungen (Strategie 3)

Die fachkundige Person muss abhängig von der Arbeitssituation die passende Strategie auswählen. So muss z. B. entschieden werden, ob eine ortsfeste Messung (an einem stationären Arbeitsplatz) oder eine personengebundene Messung (z. B. bei Gabelstaplerfahrern) durchgeführt werden soll. Meistens wird dann eine tätigkeitsbezogene Messung durchgeführt, aber es gibt auch berufsbildbezogene Messungen. Je nach dem sind andere Vorüberlegungen notwendig und bestimmte Messungen erforderlich. Dies macht im Voraus eine sorgfältige Arbeitsanalyse des repräsentativen Arbeitstages und der durchgeführten Tätigkeiten notwendig. Allgemein ist die Messung so zu planen, dass alle wesentlichen Schallereignisse erfasst werden.

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Arbeitsanalyse

Zur Arbeitsanalyse gehört:

  • die Einteilung bestimmter Arbeitsbereiche bzw. Berufsgruppen,
  • die Festlegung von Gruppen mit gleicher Geräuschexposition,
  • die Festlegung eines repräsentativen Arbeitstags für jede Gruppe,
  • ggf. Ermittlung der einzelnen Tätigkeiten,
  • ggf. Ermittlung einzelner bzw. besonderer Geräuschereignisse.

Es ist sinnvoll die jeweils betroffenen Beschäftigten in die Vorbereitungen der Analyse einzubeziehen.

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Der repräsentative Arbeitstag wird genau analysiert und in einzelne typische Arbeitsaufgaben bzw. Tätigkeiten aufgeteilt, die nach Abschätzung der fachkundigen Person ein gleichartiges Geräuschniveau besitzen. Für jede Arbeitsaufgabe werden die Dauer und der dazugehörige Schallpegel ermittelt. Die Messdauer richtet sich nach der Art des Geräusches. Grundsätzlich muss die Messzeit mindestens 5 Minuten betragen oder sich bei kürzeren Tätigkeiten über die gesamte Länge der Tätigkeiten erstrecken. 

  • An gleichmäßig laufenden Maschinen ist der Geräuschpegel oft über einen längeren Zeitraum (ggf. die gesamte Arbeitsschicht) konstant und gut reproduzierbar. In diesen Fällen ist eine kürzere Messzeit zulässig. 
  • An Pressen oder an Fließbändern kann der Geräuschpegel periodisch schwanken. Hier ist zu beachten, dass die Messzeit immer mindestens 3 vollständige Arbeitszyklen erfasst. 
  • Bei Instandhaltungsarbeiten ist der Geräuschpegel oft schwankend und zeitlich zufällig verteilt. Wenn eine Regelmäßigkeit nicht erkennbar ist, sind unter Umständen lange Messzeiten über die gesamte Tätigkeit notwendig, um ein repräsentatives Messergebnis zu erhalten. 

Für jede Tätigkeit sind mindestens drei Messungen erforderlich. Schwanken die gemessenen Werte innerhalb einer Tätigkeit um mehr als 3 dB, sind entweder drei weitere Messungen durchzuführen oder die Tätigkeit ist in weitere Abschnitte zu unterteilen oder die Tätigkeit wird mit einer längeren Messdauer gemessen. Anschließend wird aus den gemessenen Schalldruckpegeln und der Länge der Teilzeiten der Tages-Lärmexpositionspegel berechnet. Hilfreich dabei ist ein Lärmexpositionsrechner, wie er zum Beispiel vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung als Download und als Webanwendung bereitgestellt wird.

Die tätigkeitsbezogene Messung hat den Vorteil, dass man mit relativ kurzen Messzeiten auskommt. Allerdings ist ein erhöhter Zeitaufwand nötig, um einen repräsentativen Querschnitt der üblicherweise vorkommenden Arbeiten zu ermitteln.

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Für die Bearbeitung der folgenden Aufgabe, nutzen Sie bitte die Rechenhilfe zur Lärmbelastung der DGUV (bitte hier klicken).

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Bei Berufsbildbezogenen Messungen handelt es sich um ein Stichprobenverfahren. Aus einer bestimmten Anzahl von zeitlich zufällig verteilten Stichproben wird über mehrere Tage und über eine möglichst homogene Berufsgruppe der Tages-Lärmexpositionspegel ermittelt.

Diese Strategie bietet sich besonders bei Berufsbildern mit ständig wechselnden Aufgaben von unbekannter Länge an. Ein Vorteil der Strategie ist, dass keine detaillierte Analyse der Arbeitssituation notwendig ist. Dem steht aber ein sehr hoher Aufwand für die Durchführung der Messungen entgegen. Abhängig von der Anzahl der Personen und der Gruppe können sich lange Messzeiten ergeben.

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Bei dieser Strategie werden alle Lärmbelastungen einer vollständigen Arbeitsschicht einschließlich ruhiger Phasen personengebunden mit Lärmdosimetern erfasst. Es ist sicherzustellen, dass die ausgewählten Tage repräsentativ für die zu untersuchenden Arbeitssituationen sind. Vorgeschrieben sind mindestens 3 Tagesmessungen. Weichen die Tagesmessungen um mehr als 3 dB voneinander ab, so sind noch zwei weitere Tagesmessungen zu ergänzen. Sollte eine Messung über den gesamten Tag nicht möglich sein, so ist über möglichst lange zeitliche Abschnitte des Tages zu messen. Hierbei sollten alle wesentlichen Geräuschereignisse miterfasst werden. Die Ergebnisse der Messungen werden anschließend energetisch gemittelt, um den Tagesmittelwert zu errechnen.

Vorteile dieser Strategie sind, dass eine aufwendige Arbeitsanalyse nicht notwendig ist und Arbeitssituationen mit vielfältigen, zeitlich unbestimmten und örtlich wechselnden Aufgaben gut erfasst werden können. Nachteile ergeben sich jedoch aus den bei personengetragenen Dosimetern notwendigen fortlaufenden Beobachtungen des Probanden, um auffällige Ergebnisse während der Messung zu dokumentieren und in die Auswertung mit einfließen zu lassen.