Messung von Lärm und raumakustischen Kenngrößen
Ermittlung raumakustischer Kennwerte
Zur Ermittlung der raumakustischen Kennwerte sind, je nach Vorgabe, unterschiedliche Messmethoden anzuwenden. So kann einerseits, auf Basis einer Nachhallzeitmessung, oktavbandweise der mittlere Schallabsorptionsgrad \({\bar{a}}\) berechnet werden. Ist keine Messung möglich, kann auf Basis von Tabellen mit Schallabsorptionsgraden ein mittlerer Schallabsorptionsgrad \({\bar{a}}\) angegeben werden, der über die Oktavbänder gemittelt worden ist. Wird eine Beurteilung nicht auf Basis der Nachhallzeit, sondern auf Basis der Schallpegelabnahme pro Abstandsverdoppelung DL2 durchgeführt, muss eine andere Messmethode angewandt werden.
Ermittlung der Nachhallzeit T mittels Messungen
Grundsätzlich wird ein Messgerät mit einer Möglichkeit der Messung der Nachhallzeit benötigt. Vorgaben zur Ermittlung der Nachhallzeit sind in der DIN EN ISO 3382-2 standardisiert. Darin werden mehrere Verfahren dargestellt, die es ermöglichen die Nachhallzeit eines Raums zu bestimmen.
Gebräuchlich sind folgende Verfahren:
- impulshaltiges Geräusch wie z. B. das Platzen eines Luftballons
- abgeschaltetes Rauschen über einen Lautsprecher mit einer ungerichteten Abstrahlung
Berechnung des mittleren Schallabsorptionsgrads \({\bar{a}}\)
Nach Messung der Nachhallzeit T kann der mittlere Schallabsorptionsgrad mittels folgender Formel pro Oktavband berechnet werden.
\({\bar{a}} = 0,163 \frac{V}{S \cdot T}\) (SabineŽsche Gleichung)
\({\bar{a}}\) = mittlerer Schallabsorptionsgrad
V = Raumvolumen in m3
S = Gesamtoberfläche des Raumes in m2
T = Nachhallzeit
Bei Anwendung der SabineŽschen Gleichung darf das Verhältnis der längsten zur kürzesten Seite maximal 5:1 betragen und die Absorptionseigenschaften der einzelnen Flächen dürfen sich nicht zu stark unterscheiden.
Sind Messungen des mittleren Schallabsorptionsgrades nicht möglich, kann bei Kenntnis der verbauten Materialien der Absorptionsgrad mittels Datenblättern abgeschätzt werden. Solche Schallabsorptionsgradtabellen finden sich unter anderem in der TRLV Lärm und der ASR A3.7.
Messung der Schallpegelabnahme pro Abstandsverdoppelung DL2
Für die Messung des Parameters DL2 wird neben einem Schallpegelmesser mit Anzeige der Oktavbandpegel eine Vergleichsschallquelle benötigt:
- mit einem bekannten Schallleistungsspektrum
- mit einer möglichst gleichförmigen Abstrahlung in alle Raumrichtungen
- mit einem zeitlich konstanten Pegel
Die Schallquelle wird in mindestens 3 m Entfernung zu reflektierenden Flächen auf einer Höhe von 1,5 m positioniert. Die Positionen des Schallpegelmessers befinden sich nach Angaben der TRLV Lärm in gerader Linie zur Schallquelle jeweils in einem Abstand von 0,75 m, 1,5 m, 3 m und 6 m.
Die Abstände der Messpositionen zu reflektierenden Oberflächen müssen mindestens 1,5 m betragen. Dieser Messpfad sollte sich möglichst in einem Arbeitsbereich und nicht in einem Flur befinden. In großen Hallen sind mehrere Messpfade in Längs- und in Querrichtung erforderlich. An jeder Messposition sind Schalldruckpegel der Testschallquelle und der Fremdgeräuschpegel zu erfassen. Beträgt die Differenz weniger als 10 dB, ist eine Fremdgeräuschkorrektur vorzunehmen. Als Ergebnis wird die Schallpegelabnahme pro Abstandsverdopplung in den Oktavbändern von 500 Hz bis 4000 Hz dargestellt. Diese Messmethode eignet sich besonders für große Räume (Volumen größer 10.000 m³). Weiterführende Informationen bieten die TRLV Lärm Teil 3, das IFA-LSA 01-234 und die DIN EN ISO 14257.